„Luther wollte nicht spalten“

Ökumenische Woche über die Reformation

 

Mit drei verschieden akzentuierten Veranstaltungen versuchte der ökumenische Arbeitskreis der katholischen und protestantischen Kirchengemeinden die Erneuerungsbewegung „Reformation“ zu erklären und die Auswirkungen, die bis heute andauern, verständlich zu machen.

 

Der Ökumene-Referent des Bistums Speyer, Dr. Thomas Stubenrauch, stellte aus der Perspektive der kath. Kirche das Reformations-Geschehen dar. Ausgehend von der jahrhundertelangen negativen Sicht Luthers, bedingt durch Johannes Cochläus, sah die kath. Kirche Martin Luther als „Demagoge, Ketzer und Zerstörer“ und betrachtete die Reformation als „Ergebnis des Abfalls vom rechten Glauben“. Die heutige kath. Theologe sieht den Reformator hingegen als „gemeinsamen Lehrer des Glaubens, als Zeuge des Evangeliums und als leidenschaftlichen Gottsucher“. „Martin Luther wollte nicht spalten, sondern die Kirche erneuern“, so Dr. Stubenrauch. Nach der gemeinsamen Erklärung der beiden Kirchen zur Rechtfertigung (1999) gebe es heute weitere große Schnittmengen der beiden Kirchen. Die weitere gemeinsame Zukunft sehe er darin, ein gemeinsames Bekenntnis zum Christentum abzulegen, Christus als das Haupt der Kirche und die gemeinsame Kraft des Evangeliums für unsere Zeit wiederzuentdecken.

 

Die Anfänge der Reformation im Saarland und in der Pfalz beleuchtete Pfr. Dr. Bernhard Bonkhoff in einem sehr informativen, detailreichen mit vielen Anekdoten angereicherten Vortrag. Unzufriedenheit mit dem Gemeindeleben und dem jeweiligen Pfarrer habe in vielen Gemeinden sehr früh im 16. Jh. zu einer Abkehr von der bisherigen Gemeindestruktur, u.a. den Hierarchien, geführt. Man habe zudem eine „freie Predigt des Evangeliums ohne menschlichen Zusatz und eine deutsche Sprache, die verständlich war“, praktizieren wollen, so Dr. Bonkhoff. Die neue Gemeinde-Struktur habe eine eigene Verantwortung vorgesehen, wobei sich der Pfarrer auch zu rechtfertigen hatte. Nach der Schließung von Klöstern (u.a. Hornbach) seien Bildungseinrichtungen entstanden. Dr. Bonkhoff: „Denn der Glaube kann nur leben, wenn ich die Quelle des Glaubens, die Bibel, selbst lesen kann“. Die Erfindung des Buchdrucks und die stets größer werdende Bedeutung der Städte hätten wesentlich zur Verbreitung des reformatorischen Gedankengutes beigetagen. In den Freien Reichsstädten (Straßburg, Speyer) habe nach dem Augsburger Religionsfrieden der Stadtrat bestimmt, welche Konfession dort allein gelte. Erst ab dem Ende des 17. Jahrhunderts sei es möglich gewesen, dass in einer Gemeinde zwei evangelische Konfessionen hätten nebeneinander bestehen können.

 

In seiner Eröffnungsansprache während des ökumenischen Gottesdienstes sprach Pfr. Weinkötz von „der Sünde der Trennung“. Diese Trennung aus protestantischer Sicht verdeutlichte Pfr. Heck in seiner Predigt, indem er drei Merkmale zugrunde legte, was das Wort „protestantisch“ bedeutet. Zum einen betreffe es die Vielfalt: „Protestantisches Christentum ist anscheinend seiner Natur nach mehrdeutig und jedenfalls in der Gestalt vielfältig“. Die Mehrzahl von Strömungen, die sich bereits zu Beginn der Reformation herausgebildet habe, und die daraus resultierenden Auseinandersetzungen seien geradezu ein Kennzeichen des Protestantismus. Als zweites Merkmal hob Pfr. Heck die Freiheit hervor. Sie sei essentiell für das protestantische Prinzip. Die Befolgung eines verbindlichen autoritären Prinzips könne im Namen der Freiheit nicht nachvollzogen werden. Daher sei der Protestantismus eine „Religion der Freiheit“. Zum Dritten folge ein prot. Christ der Stimme seines Gewissens. Sie allein entscheide, ob der Gläubige vernünftige Ratschläge beachte oder nicht. Vernunft und individuelles Abwägen bestimmten das persönliche Handeln. Pfr. Heck: „Die Stimme der vorsichtigen Vernunft, der Menschenwürde und des Personalitätsprinzips“ sei grundlegend für den Protestantismus.

 

Musikalisch umrahmt wurden die Veranstaltungen von Christina Weyers (Orgel), Caroline Mastel (Klavier) sowie dem prot. Kirchenchor unter der Leitung von Annegret Geibig.

 

L/B